Samstag, 19. März 2016

Zwiesprache halten

2006. Nur 6 Tage, nachdem wir zum ersten Mal der Möglichkeit Raum gegeben hatten, in eine neue Wirklichkeit des Drei-Seins einzutreten, erfasst mich in einem Kaufhaus plötzlich ein kurzer, heftiger Drehschwindel. Ich setze mich, und ich weiß: "Ich bin schwanger!!" 8 Tage, bevor ein Test überhaupt sinnvoll ist, bin ich mir sicher, nein, WEIß ich, dass es so ist. Meine Hand liegt auf meinem Bauch, und ich begrüße dieses Wissen, dieses Wesen, das aus nur ein paar Zellen besteht zu diesem Zeitpunkt, liebevoll und dankbar.

2008. Zwischen Gläschen wärmen und Tisch decken eben das Streiflein ablesen, das ich vorhin im Bad abgelegt habe. Da ist ein zweiter Strich!! Ich sitze auf der Badewannenkante, meine Hand liegt auf meinem Bauch. "Hallo Du, wie schön, dass Du da bist. Du hast uns noch gefehlt zu unserem Glück." Und so ist es auch gewesen.

Anfang 2011. Ein Wundern. Ein Verdacht: "Das kann doch gar nicht...oder ...?". Der Test sagt, doch, das kann. Ich stehe da, und das Große Nein steht schon vor mir, scharf umrissen und deutlich. Draußen Kindergejauchze, es ist ein früher Frühlingstag, alle sind draußen in der Sonne. Plötzlich steht da eine Glaswand zwischen mir und den Anderen, plötzlich bin ich in eine Parallelwirklichkeit getreten, in der bereits klar umrissen ist, wie es zukünftig sein wird: Nie mehr werde ich mit den Worten Schwangerschaft, Baby, drittes Kind allein das verbinden können, was es für mich persönlich bis dahin bedeutet hat: Einen Grund zur Freude und zum Mitfreuen. Ab jetzt werden dazugehören: Schreck, Trauer, Scham, Vermissen.

Die Hand sucht nicht den Bauch. Sie wird sich in den drei kommenden Wochen nie, nie in die Nähe des Ortes da unter dem Nabel bewegen. Denn eines weiß ich auch sofort: Wenn ich nur einmal mit dem kleinen Sein in Verbindung getreten bin, Zwiesprache gehalten habe, so würde ich es nicht gehen lassen können. Hinterher, ja, hinterher lag sie dann stundenlang da, in einem Versuch, mich dafür zu entschuldigen, es nie begrüßt zu haben. Es allein gelassen zu haben da drin; dass es selbst, als es existierte, nicht Teil unserer Familie hatte sein dürfen. 



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