Mittwoch, 14. Februar 2024

Den Frühling finden

14.2. Es ist ein Tag, der mich jedes Jahr aufs Neue beschäftigt. Für viele ist es der Valentinstag. Für eine Anzahl Menschen ist es ein Tag, der von der Begegnung mit dem Abschied erzählt. Für mich wurde es ein Tag, von dem ich lernen konnte, wie lange es dauert, sich zu verabschieden von einem Leben.

Vor 15 Jahren ist ein kleines Kind gegangen, und seine Mutter hat viele Jahre liebevoll über den Prozess des Trauerns und Lebens geschrieben, und ich habe sie dabei lesend begleitet. Sie hat mich als unbekannte Freundin begleitet und ermutigt, über mein ungeborenes Kind zu schreiben. Das hat zu Heilung beigetragen. Viel Zeit ist seither vergangen, in denen Glück und Frieden das vorherrschende Gefühl waren. Das Jahr 2023 hat viel verlangt von meiner Familie und mir in Sachen Abschiednehmen und Heilung finden.

Sylvester ging ein liebes Familienmitglied -  viel zu früh, doch schwerst krank und bereit zu gehen. Wir vermissen sie sehr, doch ist sie nicht Teil unseres  persönlichen Alltages gewesen - es gibt Menschen, die sie noch mehr vermissen. 150 Menschen haben ihr Leben gefeiert, und wir waren dabei, dankbar und verbunden.

Dann ging im Februar ein sehr alter Mensch, dankbar und lebenssatt. Wir blickten zurück auf dieses Leben - ebenfalls dankbar, fast fröhlich konnten wir Abschied nehmen. Man kann den Tod wirklich feiern!

Schon vor Weihnachten sagte mir eine liebe Freundin, in den letzten Phasen einer Krebserkrankung noch einmal kurz Atem holend: "Weihnachten möchte ich noch erleben, dann ist es gut. Ich kann nicht mehr." Sie hat auch Ostern noch erlebt und ist dann in aller Stille, mit Würde und nachdem sie von allem Abschied genommen hatte, gegangen. Die Beisetzung ihrer Urne im Frühlingswald, unter einer Buche, war ein wunderschönes Erlebnis. 

Und dann. Dann. Kam der Suizid. Nicht völlig unerwartet, aber plötzlich. Und die Begriffe Abschied nehmen in Würde, lebenssatt, bereit zu gehen, feiern, Heilung ... sie waren Asche und Staub. Rotz und Wasser. Wut und heulendes Elend. Das Wissen, alles Mögliche getan zu haben und nichts tun zu können. 

Ich war bei dem Menschen im Abschiedsraum, habe ihn gestreichelt und versucht zu trösten. Habe Kleidung und Schmuck gebracht für ein würdevolles Zurechtmachen. Wir haben eine wunderschöne Trauerfeier gehabt, die der Person vielleicht sogar gefallen hätte. Aber Heilung? So schnell geht das nicht...ich bin zu ungeduldig. Hatte ich nicht gedacht, ich hätte etwas über Abschied gelernt und die Zeit, die er braucht?

Nun kommt bald der Frühling, und der 14.2. erinnert mich an die Sonne, die wieder kommt und wärmen wird. Der Frühling wird mich finden. Und ich ihn.

2 Kommentare:

  1. Sehr berührt durch deine Worte, durch die Verbundenheit, die fein ist wie ein leuchtender Traumfaden und doch trägt. Danke. Ich wünsche dir viel Kraft für diesen neuen Prozess. Von Herzen
    FrauWind

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    1. Meine liebe Frau Wind, wie es Dir wohl geht? Nun streifen Dich wieder einige meiner Gedanken, und ich sende Dir liebe Grüße in den Süden und wünsche uns beiden ein Jahr, an dem Regen und Sonnenschein zu der Zeit und in der Menge da sind, wie die Welt es braucht und unsere Herzen es erhoffen.

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