Es ist dieses Vorfrühlingswetter. Ich erinnere mich plötzlich wieder. An vor 6 Jahren. An die Schwärze der Empfindungen vor diesem "NEIN". Das Entsetzen, diesen Weg gehen zu müssen und deutlich zu fühlen, dass ich nicht die Kraft haben würde, zu kämpfen. Für dein Leben.
Ich sitze damals weinend auf dem Sofa einer Freundin. Sie bestärkt mich den ganzen Abend hindurch, dass es das Beste ist. Hinterher weiss ich nicht mehr so genau, ob sie meine Freundin ist. Sie meint es gut. Sie möchte mir helfen. Ich aber suche nach jemandem, der mir hilft, nach dem "Ja" zu suchen. Da ist niemand.
Die Frau bei ProFamilia hört sich unsere Schilderung unserer Situation geduldig an. Mein 1 1/2 jähriges Mädchen kullert plappernd auf dem Sofa herum. Ich muss viel weinen. Tief drinnen warte ich darauf, dass sie sagt: "Wenn man soviel weinen muß, dann sollte man das Für aber auch noch mal bedenken...". Sagt sie aber nicht - oder aber ich erinnere mich nicht daran. Sie versteht uns. Sie stellt den Schein aus. Ich bin froh. Irgendwie.
Am besten war letztendlich der Rat meiner Gynäkologin: "Schreiben Sie vorher auf, warum Sie sich so entschieden haben: Sie werden sich hinterher nicht mehr daran erinnern." Sie hat ja so recht, das Herz erinnert sich (fast) nur an den Schmerz.
Es ist nicht so, dass mich irgendjemand gezwungen hätte, mich gegen dieses Kind zu entscheiden. Es war meine eigene Entscheidung, geboren aus dem Gefühl völliger Überforderung, unserer Lebenskonstellation diese Veränderung hinzuzuaddieren. Aber ich hätte mir im Rückblick gewünscht, dass mir jemand von denen, die von unserer Gewissensnot wussten, Mut gemacht hätte. Letztendlich haben die wenigen, die es wussten, keinen Mut gehabt, unsere Sichtweise herauszuforden. Das kann ich ihnen nicht vorwerfen.
Kannst du mit dem Gedanken leben, das Kind sei dennoch existent? Weil zwar die leibliche Grundlage nicht bestehen blieb, aber sein unverletzliches Wesen dadurch nicht auszulöschen ist?
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